Die Wundmalen Padre Pio

Stanislaw Barszczak, Fortsetzung der Geschichte von meiner Reise nach San Giovanni Rotondo,
Mit dem Moment, als ich ging durch San Giovanni Rotondo, nach oben und unten. Und jetzt kurz vor seiner internen Wahlen im Leben von Padre Pio. Francesco Forgione war das achte Kind von Grazio Forgione, einem Bauern, und Maria Giuseppa di Nunzio. Am 6. Juli 1902 bewarb er sich als Postulant bei den Kapuzinern in San Giovanni. Nach der Schulzeit trat er am 22. Januar 1903 als Novize in den Kapuzinerorden ein und erhielt den Ordensnamen Pio (der Fromme). Zu dieser Zeit war Bruder Pio bereits an Tuberkulose erkrankt. Nach den zeitlichen Gelübden am 22. Januar 1904 begann Bruder Pio mit dem Studium, legte am 27. Januar 1907 die ewigen Gelübde ab und wurde am 10. August 1910 zum Priester geweiht. Anschließend war er Kaplan des Priesters von Pietrelcina und wurde im November 1915 als Sanitäter zum Militärdienst einberufen. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes musste er den Dienst oft durch Genesungsurlaube unterbrechen. Schließlich wurde er für dienstuntauglich erklärt. Nach Aufenthalten in verschiedenen Klöstern kam Bruder Pio 1916 in das Kapuzinerkloster von San Giovanni Rotondo, in dem er bis zu seinem Tod lebte. Am 10. September 1910 trat eine Stigmatisation in Form von Hautrötungen auf, was von manchen auf sein intensives Erleben der Leiden Christi zurückgeführt wird, von anderen auf seinen Umgang mit ätzenden Substanzen.. Ab 20. September 1918 wurden Wunden, an Brust, Händen und Füßen sichtbar. Die Stigmata führten zu wiederholten, kirchlich angeordneten medizinischen Untersuchungen. Um die Wunden an den Händen zu verbergen, trug Pater Pio meist fingerlose Handschuhe.Trotz großer – auch kirchlicher – Zweifel an der Echtheit der Stigmata reisten zunehmend Pilger nach San Giovanni Rotondo zu den Heiligen Messen Pater Pios und suchten ihn als Beichtvater auf. Zeitweise verboten die Oberen, dass er sich in der Öffentlichkeit zeigte. Der italienische Historiker Sergio Luzzatto zitiertJohannes XXIII., dem zufolge Pio „intime und unanständige Beziehungen mit den Frauen, die seine Prätorianergarde bilden“, unterhalten haben soll. Luzzatto behauptet des Weiteren, dass Pio um 1920 offen die im Aufwind begriffene faschistische Bewegung unterstützt habe und sich damals „um Padre Pio herum einklerikal-faschistisches Gemisch herausgebildet“ habe. Nach Luzzatto sind die Wunden Pater Pios auf den gezielten Einsatz von Karbolsäure (Phenol) zurückzuführen und damit ohne übernatürliche Verursachung erklärbar. Luzzatto fand Apothekenbestellungen Pios, nach denen dieser in größeren Mengen das Nervengift Veratrin orderte, dessen Einnahme eine Unempfindlichkeit gegen Wundschmerzen zur Folge hat. Nachdem entsprechende Veröffentlichungen in Italien Aufsehen erregt hatten, erklärte der Kapuzinerorden im September 2007, Pio sei in seinem Konvent auch für medizinische Dienste zuständig gewesen und habe das Antiseptikum Phenol zur Desinfektion von Spritzen benutzt. Seit 1940 betätigte sich Pater Pio als Heiler und sprach Prophezeiungen aus. So wird ihm nachgesagt, dem jungen Priester Karol Wojtyła 1947 sowohl die Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche als auch das Attentat von 1981 vorausgesagt zu haben. Es wird auch berichtet, dass er die Gabe der Bilokation gehabt habe. Ebenfalls 1940 begann Pater Pio, Spenden für ein Krankenhaus zu sammeln. 1956 schließlich wurde die Casa Sollievo della Sofferenza in San Giovanni Rotondo eröffnet, die damals zu den größten und modernsten Kliniken Süditaliens zählte. Als er 1968 mit 81 Jahren starb, sollen über 100.000 Menschen an seinem Begräbnis teilgenommen haben. Nach langjähriger Skepsis und auch Sanktionen seitens der katholischen Kirche wurde das Wirken Pater Pios von Papst Paul VI. schließlich 1971 positiv gewürdigt. 1997 erklärte ihn der Heilige Stuhl zum „Ehrwürdigen Diener Gottes“, am 2. Mai 1999 wurde Pater Pio seliggesprochen. Der Petersplatz war zu klein, um alle Gläubigen aufzunehmen, die der Feier beiwohnen wollten. Die Heiligsprechung folgte am 16. Juni 2002. Der Gedenktag Pater Pios ist der 23. September. Im Sommer 2004 wurde nach mehrjähriger Bauzeit die neue Großkirche San Pio da Pietrelcina des Architekten Renzo Piano neben dem Grab des Paters in San Giovanni Rotondo geweiht, da die bisherige Kirche zu klein geworden war. Die Kommerzialisierung der Gestalt von Pater Pio in San Giovanni Rotondo wurde auch in Kirchenkreisen scharf kritisiert: Alessandro Maggiolini, seinerzeit Bischof von Como, sprach sich am Tag vor der Kanonisierung Pater Pios gegen die florierenden Geschäfte aus, die sich in Verbindung mit diesem Geistlichen entwickelt hatten. „Jesus Christus vertrieb die Händler aus dem Tempel, aber ich muss jetzt feststellen, dass sie zurückgekehrt sind“, sagte er in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung La Repubblica. Anfang März 2008 wurde der Leichnam Pater Pios exhumiert. Die sterblichen Überreste wurden nach einer Untersuchung in der Krypta der Klosterkirche Santa Maria delle Grazie für einige Monate zur Verehrung in einen gläsernen Reliquienschrein gelegt. Der örtliche Erzbischof Domenico D’Ambrosio sagte nach der Exhumierung, bei der Sargöffnung sei sogleich der Bart des Heiligen erkennbar gewesen. Der obere Teil des Schädels sei teilweise skelettiert, das Kinn war jedoch einwandfrei erhalten und der Rest des Körpers in gutem Zustand. „Wenn Pater Pio gestattet, würde ich sagen, seine Hände sahen aus wie frisch manikürt.“ Seit dem 19. April 2010 befinden sich die Reliquien in der Unterkirche der neuen Wallfahrtsbasilika. Das Gesicht Pater Pios wird von einer Silikonmaske verdeckt, die auch die buschigen Augenbrauen und den Bart nachbildet. Der Heiligen Pater Pio die Wundmale trug und viele Wunder vollbrachte. Er liebte den Nächsten bis zur Vollendung, indem er mehr als fünfzig Jahre lang unzähligen Menschen, die um seinen Dienst baten und seinen Beichtstuhl aufsuchten, durch Rat und Trost beistand. Es war fast eine Belagerung. Sie suchten ihn in der Kirche, in der Sakristei und im Kloster auf. Und er schenkte sich allen, indem er Glauben weckte, Gnaden austeilte und Erleuchtung brachte. Er sah vor allem in den Armen, Leidenden und Kranken das Bild Christi und schenkte ihnen besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung. Schon während seines Lebens stand er im Ruf der Heiligkeit, die seinen Tugenden, seinem Gebetseifer, dem Opfergeist und der Ganzhingabe für das Heil der Menschen zuzuschreiben war. In Deutschland ist Pater Pio noch nicht so bekannt, in Italien kennt ihn aber fast jedes Kind. Dort gilt er als einer der populärsten Heiligen. Es geschieht im Chor des Klosters Santa Maria delle Grazie in San Giovanni Rotondo. Wir schreiben den 20. September 1918, Freitag vor dem Fest des Heiligen Matthäus. Pater Pio befindet sich allein in der Kirche, betet inbrünstig und blickt auf das Kreuz. Plötzlich hat er hat eine Vision: Eine mysteriöse Gestalt, ans Kreuz geschlagen, erschreckt ihn. “Ich wäre gestorben, wenn der Herr nicht eingegriffen hätte, um mein Herz zu stützen, das mir aus der Brust zu springen schien”, so Pater Pio selbst darüber. Als sich die Erscheinung auflöst, bemerkt er, dass seine Hände, seine Füße und seine Seite durchbohrt sind und Blut heraussickert. Ein Mönch findet den Stigmatisierten im Chor ausgestreckt auf dem Boden liegend. Man bringt ihn in seine Zelle. Die Oberen werden verständigt.Für Pater Pio beginnt eine schwere Zeit. In einem Brief, den er vier Wochen nach dem Ereignis an seinen Beichtvater, Pater Benedetto von San Marco in Lamis schreibt, berichtet er: “Stell Dir die Qual vor, die ich dabei erlitt und die ich andauernd empfinde, fast alle Tage. Die Wunde am Herzen blutet ständig, besonders von Donnerstagabend bis Samstag”. Er bittet Gott, diese Zeichen von ihm zu nehmen, doch die Wundmale Christi bleiben ihm zeit Lebens. Zu den Schmerzen um die Wunden kommen die zahllosen kirchlich angeordneten medizinischen Untersuchungen und viele Verleumdungen, er sei ein Schwindler, ein Hysteriker. Der Orden möchte die Geschehnisse geheim halten. Doch die Nachricht von dem Pater mit den Wundmalen Christi verbreitet sich in Windeseile. Schon wenige Wochen später strömen erste Pilger nach San Giovanni Rotondo, um den “heiligen Pater” zu sehen. Ein Pilgerstrom der ständig wächst und bis heute nicht mehr abgebrochen ist. Pater Pio selbst schreibt an seinen Seelenführer Pater Agostini im August 1913: „Ich nahm gerade unseren Buben am Abend des 5. die Beichte ab, als ich ganz plötzlich von einem extremen Schrecken beim Erblicken einer Himmlischen Persönlichkeit erfüllt wurde, die sich mir vor meinem geistigen Auge präsentierte. Sie hielt in der Hand eine Art Werkzeug, ähnlich einer sehr langen Eisenlanze mit einer gut geschliffenen Spitze, und es schien, als ob aus jener Spitze Feuer strömte. Dies alles zu sehen und die genannte Persönlichkeit zu beobachten, wie sie mit aller Heftigkeit das besagte Werkzeug in die Seele schleuderte, war alles nur eines! Mühsam stieß ich einen Klagelaut aus, ich fühlte mich sterben! Ich sagte zum Jungen, er solle sich zurückziehen, da ich mich nicht wohl fühlte und keine Kraft hatte, fortzufahren. Dieses Martyrium dauerte ohne Unterbrechung bis zum Morgen des siebten Tages. Was ich in dieser so trauervollen Periode litt, weiß ich nicht zu sagen! Sogar die Eingeweide sah ich, wie sie herausgerissen und hinter diesem Werkzeug hergezogen wurden, und alles wurde zu Eisen und zu Feuer getragen! Seit jenem Tage bin ich zu Tode verletzt. Im innersten meiner Seele fühle ich eine Wunde, die immer offen ist und mich fortwährend quält. Ist dies nicht eine neue Strafe, die mir von der Göttlichen Gerechtigkeit verhängt wurde? Beurteilt Ihr selbst, wie viel Wahrheit in diesem enthalten ist, und ob ich nicht alle Gründe habe, zu befürchten, in einem extremen Kummer zu sein. Ich küsse Euch mit tiefstem Respekt die Hand, erbittend die Heilige Segnung, ich wiederhole mich, Euer Sohn Bruder Pio.” (fortgesetzt werden)

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