Tochter ein paar Monate 54

Stanislaw Barszczak- Dem Leser nach der Lektüre meines Buches auf Deutsch

Jemand hat gesagt:”Wir sind so wenige Menschen, wir hängen alle voneinander ab.” Das ist vielleicht der deutlichste und der am klarsten zu definierende Unterschied zwischen hier und drüben. Es gibt dort eine Toleranz, weil man sich sagt: “Wir brauchen einander.” Hier bei uns sagt man leicht: “Wir gehen uns gegenseitig auf den Wecker.”Je mehr man im Leben an Wände läuft, und je mehr man das Gefühl haben könnte, ab da ginge es nicht weiter und das sei das Ende der Fahnenstange, um so mehr findet man auch Wege, wieder herauszukommen, wenn man intensive genug danach sucht. Leben Sie für eine andere Leute nicht genau informiert zu werden und voreinander trennen zu sein? Ich frage das deshalb, weil ich etwas Ähnliches erlebt habe. Wenn ich mir das so vorstelle: Zwei Monate in Isolation gerade bei jemandem wie dir, wo du doch so aktiv bist und eigentlich keine dreiTage still sitzen kannst. Also am Anfang ging ich durch ein ziemlich depressives Fegefeuer. Ich wußte nicht so richtig, was mit mir passiert war. Ich war völlig isoliert, niemand durfte zu mir- außer meiner Mutter, der Priester Pastor und Freunde, die mich völlig in Gaze eingehüllt besuchen durften. Aber ansonsten war es so, daß ich durch ein tiefes Tal von Depressionen gegangen bin. Ich habe mir gesagt: “Wenn ich das überlebe, dann werde ich vieles überdenken.” Ich habe auch vieles überdacht, aber ich bin dann doch wieder ziemlich schnell in den alten ‘Schlendrian’ zurückgefallen. Nach dieser Pause, in der ich nicht schreiben oder etwas Ähnliches habe machen dürfen, freue ich mich heute doch schon wieder über ein paar schöne Bücher bereits, deren ich den Autor sei.  Ernsthaft begann ich zu schreiben. Es hat also keine bleibenden Schäden hinterlassen? Nein, Gott sei Dank nicht. Ich bin natürlich in ständiger ärztlicher Kontrolle – in zunehmendem Alter sowieso. Aber seltsamerweise ist meine Leber voll funktionsfähig: Gott sei Dank! Es gab aus ein paar Interviews mit mir herausgelesen, daß diese Distanz – Ich war noch mehr als zwei Wochen im Ausland- möglicherweise meine Sicht auf Polen verändert hat. Denn es ist ja etwas anderes, wenn man so als Gast in Indien sitzt: wenn man aber in Indien sitzt, dann ist das alles irgendwie ganz weit weg, ganz klein, und die Probleme schauen dann ganz anders aus. Es gibt also ein Schreiben von mir: in 170 Tagen um die Welt. Meine lieben Leserinnen und Leser, sie besuchen mit mir viele interessante Orte auf der Erde. Es war schon eine reife Leistung, das in 170 Tagen zu machen. Das war eine flotte Leistung, und sie ist rekordverdächtig, mit dem ich bin sehr stolz, als Priester. Das war nur deshalb so schnell möglich, weil ich stark in mein Wege glaubte. Und ich bin nicht müde geworden dabei. Doch, manchmal sind wir mit meinen Freunden schon auf dem Zahnfleisch gekrochen. Wir haben viele sehr komische Sachen erlebt. Aber wer das genau wissen will, der möge eben erneut in dieses Buch hineinsehen. Ich hoffe, daß zumindest wir beide keine so lange Pause mehr haben werden, wie wir sie jetzt gehabt haben. Ich würde mich darüber freuen. Ich sah mich immer noch in dem Lyzeum sitzen, während draußen die Sonne scheint und ich in den Anmerkungen zu einem Text stecke und so Textexegese von “großer” Relevanz betreibe. Wir haben uns nie gesehen. Ich habe noch einmal so lange Zeit. Wir müssen uns irgendwann wieder treffen: Sagen wir nach Sydney, und dann werden wir darüber reden. Ich bedanke mich ganz herzlich, daß Sie bei „meines Buch” zu Gast waren. Und ich bedanke mich auch bei dir ganz herzlich. Bis zum nächsten Mal. Ich habe mich hier gefühlt mit Ihnen wie in einem warmen Bad. Wie Sie wissen lebe ich auch in Olsztyn. Ich habe nämlich nach wie vor ein kleines Zimmer, das ich keinesfalls missen möchte. Erst einmal ist es ja so, dass keiner über Olsztyn herziehen darf, der nicht in Olsztyn groß geworden ist, damit wir uns da recht verstehen. Ich liebe Olsztyn, aber Olsztyn ist natürlich keine Ort, auch wenn sie gerne eine wäre. Diesen Unterschied merkt man in Częstochowa schon recht deutlich. Der Puls ist nämlich ein anderer, auch die Ruppigkeit ist eine andere, ebenso die Brutalität des Alltags. Die Penner sind zehnmal so viele, die Schnelligkeit der Radfahrer ist größer usw. Alles läuft dort anders ab: das ist eine richtige Metropole. Als ich vor sechs und dreißig Jahren zum ersten Mal dort war, habe ich doch erst mal kräftig schlucken müssen und mir gedacht: “Moment mal, wo habe ich denn bisher mein Leben verbracht?” Ich bin 1961 geboren und in Dąbrowa Górnicza-Ząbkowice  aufgewachsen. Wenn ich mich an meine Kindheit und Jugend in der Stadt zurückerinnern: Was waren da für mich wesentliche Erfahrungen auch im Hinblick darauf, wie ich zur Schriftstellerei gekommen bin? Nun ja, über die unglückliche Liebe, die jeder auf seine Weise erlebt hat, haben wir ja schon gesprochen. Das können wir also außen vor lassen, obwohl sie natürlich auch in meinem Lebenskonzept eine wesentliche Rolle gespielt hat. “Das Schöne war, dass wir nicht nur alle in das gleiche Mädchen verliebt waren, sondern dass wir eine richtige Clique waren, die sich jeden zweiten Tag am Stadtrand getroffen hat.” Wir sind dann in die Wälder gelaufen und haben uns dort alles Mögliche erzählt. Es war tatsächlich so, dass danach wirklich keiner von uns, als wir so um die 15, 16 Jahre alt waren, das Schreiben angefangen haben. Obwohl das waren damals wirklich hoch romantische Zeiten. Natürlich da waren Gesten, die Frucht in einem anderen Garten, Versuchen mit den Menschen redden. Aber das nur war nämlich nichts Selbstverständliches, weil man in diesem Alter ja noch überhaupt kein Vokabular hat, um über Gedichte zu sprechen. Ich hatte aber das Glück, dass ich in der Zeit ein paar Freunde, Berühmte Personen gewonnen habe, die ich auch heute noch kenne, mit denen man das ungewöhnlicherweise wunderbar machen konnte: Man hat sich auch gegenseitig korrigiert. Da hat man dann weitergemacht und unter der Hand ist auf diese Weise etwas entstanden, das ich inzwischen tatsächlich als meinen Beruf bezeichnen kann. Als das damals anfing, habe ich auch wirklich sofort beschlossen, unbedingt Weise werden, und dann Schriftsteller werden zu müssen. Der Beruf des Schriftstellers war also schon mein Traumberuf. Ohne diese Freunde wäre es aber nie bis dahin gekommen, das ist sicher. Aber ich habe dabei auch gelernt und gelernt und gelernt, welche technische Möglichkeiten Schreiben überhaupt gibt. Die Phantasie hier ist zwar das notwendige Ausgangsmaterial, aber alles andere ist lernbar. Jemand hat ja mal gesagt, 90 Prozent sind Sitzfleisch. Man muss wohl ergänzen, dass man nicht nur Sitzfleisch als solches braucht: Man muss mit diesem Sitzfleisch schon auch etwas anzufangen wissen. Genau das lernt man eben in so einem Zimmer. Aber jetzt, wie Sie da  sahen im Laufe des Buches zu lesen, ich schreibe Texte nicht nur aus der Literatur, sondern auch mit der Philosophie. Bitte, gerne willkommen auf den Seiten von mich für Philosophie mit Schwerpunkt praktische Philosophie: sbarszczak.blox.pl/html  Ich beschäftige mich in Forschung und Unterricht mit einer breiteren Palette philosophischer Themen von der Erkenntnistheorie, der Sprachphilosophie über die Philosophie des Geistes und des Verstehens, der Existenzphilosophie bis hin zur Ethik und der politischen Philosophie. Die praktische Philosophie habe ich es mit den verschiedenen Formen des Handelns (individuell, kollektiv, institutionell), meiner Intentionalität und Normativität zu tun.Aber nun ich arbeite mit der anderen Professoren für Philosophie zusammen. Mein Interesse an der Philosophie begann vor langer Zeit, wieder in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, wenn ich ging zu dem sogenannten interdisziplinären Treffen auf der Straße Franciszkañska in Krakau.

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