Kampf der Kulturen

Stanisław Barszczak— meine Abenteuer als junger Räuber (Fortsetzung)—

Vielleicht sollte ich sagen, was davor wichtig gewesen ist. Es war ganz merkwürdig: Meine Mutter bekam die Aufforderung, ihr Kind in die Schule zu schicken. Meine Mutter hat sich zuerst einmal dagegen gewehrt, denn sie konnte ihr Kind dafür quasi nicht loslassen… In einem Schreiben hieß es, Ihr Kind müsse an dem und dem Tag um so und so viel Uhr an einem bestimmten Ort sein. Das hatte ich natürlich gemerkt und das hatte man mir dann auch vorgelesen. Aber dann verschwand dieser Brief bei uns in der Küche irgendwo in einem Eck. Ich habe wirklich instinktiv ganz stark gespürt, dass meine Mutter nichts dafür tun, dass ich in die Schule gehe. Meine Mutter hatte sowieso eine Ablehnung gegenüber der Schule, weil sie mich dafür weggeben musste und deswegen dieser enge Kontakt abriss… Schulleiter Herr Henryk Rajczykowski nicht wollte, dass ich die Schule seit der siebten Klasse gehen. Genau wie ein Sohn zur Schule kommen im nächsten Jahr, sagte er zu meiner Mutter. Am ersten Schultag, als es dann aber wirklich sein musste, wir zusammen in die Schule gingen – meine Mutter brachte mich hin – und ich von nun an in die Schule gehen sollte, schaute ich noch einmal zurück, wie meine Mutter wieder nach Hause ging. Da life ich hinter ihr her. Und was machen wir beide? Wir beide gehen dann zusammen wieder nach Hause. Ich hatte ein sehr symbiotisches Verhältnis zur Mutter: Wie haben Sie sich denn verständigt, wenn Sie beide stumm waren? Nun, die Symbiose ging so weit, dass wir uns fast den ganzen Tag über nicht aus den Augen gelassen haben. Es gab also immer einen Blickkontakt und auch eine sehr starke körperliche Nähe. Am ersten Schultag bin ich also sozusagen bis zur Schule durch die Pforte hinein gekommen, sondern ich bin wieder mit der Mutter nach Hause gegangen. Aber in einem Klassenzimmer für einen Moment, als hätte ich vergessen zu. Wenn ich unsere Lady Teresa Januszek sah. Mütterliche Gefühl wurde durch die Emotionen, die die alleinige Anwesenheit unserer weiblichen Lehrerin und der Eltern von 32 Kolleginen und Kollegen waren, können ebenfalls mit Ausdruck der sauber Schule ergänzt. Die erste Lektion in der Schule, das werde ich nie vergessen. Erst später, als es dann gelungen war, mich wirklich in die Schule zu bringen, wurde es nicht wirklich so grässlich, wie einige das soeben beschrieben haben. Ich saß in der dritten Reihe, war ich keine Außenseiterrolle, aber hatte selbstverständlich auch meine Macken. Ich legte z. B. nie bestimmte Kleidung ab, die mich schützte. Aber in der Schule war ich einmal ohne Kragen für eine saubere Schuluniform abgebildeten. Kann man sehen es sei denn, in meiner Schule Bild aus der siebten Klasse. Ich hatte es dort in der Schule überhaupt nicht leicht: Ich wurde gedemütigt, gehänselt, geschlagen usw. So etwas zerbricht einen doch normalerweise, oder? Ich saß also wie ein Kind, das alles abwehrt und nichts an sich heranlässt, in der Schule. Das setzte sich dann auch den ganzen Tag über fort. Am Anfang war das alles noch gar nicht so schlimm, weil auch die Lehrerin noch um Sympathien für mich geworben hat. Es hieß dann immer: “Lasst ihn in Ruhe! Das wird schon werden! Er tickt halt nicht so wie wir! Aber lasst ihn in Ruhe, denn er ist nicht gefährlich! Der tut euch nichts.” Das hielt auch eine Weile vor, aber nach einiger Zeit waren es die Gleichaltrigen dann doch leid mit mir. Und schon begannen die Kämpfe, die von da an ununterbrochenen Kämpfe: Frau Grzegorczyk aus Będzin auf der polnische Sprache in der Schule fast jeden Tag bewog mich, zu antworten. Sie bat mich, indem ich die Geschichte aus unseren Buches zu erzählen. Und ich stehe rot und nicht von der Stelle rühren. Jeder Tag war ein Spießrutenlaufen für mich. Das auszuhalten, war schon sehr hart. Das hat dann natürlich auch dazu geführt, dass ich in der Lerngemeinschaft nicht aufging. Ich machte mit den anderen nicht mit, denn ich konnte ja auch nicht sprechen: Ich entwickelte mich also gar nicht. Die Position, die ich da einnahm, war wirklich hoffnungslos. Ein anderes Mal, wenn wir in der vierten Klasse waren, nahmen wir ein paar Münzen aus die heiligen Figuren in der Kirche. Also, wir waren zu viert. Lehrerin hat einen Brief bzw. einen Zettel geschrieben an die Eltern. Meine Mutter hat diesen Zettel gelesen und machte daraufhin etwas. Ich besitze diesen Zettel bis heute. Auf ihm steht tatsächlich so ungefähr, dass mit diesem Kind nicht zu arbeiten ist: “Wir bitten Sie, für dieses Kind eine andere Aufbewahrungsanstalt zu suchen.” Kalender Demonstration war in der vierten Klasse, die Eltern in die Schule kommten. Dann, nur nicht vergessen, wir hatten einen Urlaub für Arbeitnehmer, auf dem Glas in unserer Klasse Zimmer Poster von einem schönen nakleiłem mit dem Tittel “Geheiligt werde der erste Mai”. Ich ging zum Film “Die Geschichte der gelben Lackschuhe ” zu unserem Kino “Uciecha”. Es war die einzige Zeit. Dann hatte ich ein paar Mal Münzen aus der Zwischenablage in die Wand der Kirche genommen, als die Kirche Mann hat es nicht gesehen. Das werde ich nie vergessen, weil das wirklich ein ganz seltsamer Moment war. Denn es passierte dann tatsächlich, dass meine Tante Lucia bei uns in der Wohnung auftauchten. Bei uns in der Familie haben wir immer alle ernsten Dinge in der Küche besprochen: Man ging dafür also nicht ins Wohnzimmer, sondern ich weiß noch genau, wie die Lehrer bei uns zu Hause an den Küchentisch gesetzt wurden, also sozusagen an die “Psychozelle” der Familie. Denn ich wusste nicht, dass meine Mutter sie die Geschichte unserer Familie erzählt hatte. Diese Dame war nun wirklich selbst erschüttert darüber, dass die Schule über all das so kalt hinweggegangen war. Im Hintergrund dieser Gespräche ist dann wohl ein Plan gefasst worden, was nun zu geschehen habe. Stattdessen machte meine Mutter den Vorschlag, dass er mich für eine Weile aus der Schule, aus diesem System vollkommen herausnehmen und mich aber gleichzeitig von der Mutter trennen werde. Das hieß, ich musste nicht mehr zur Schule, blieb aber nicht mehr länger den ganzen Tag über mit der Mutter zusammen. Was also wurde mit mir gemacht? Ich sollte auf den elterlichen Hof gebracht werden. Das war das Einzige, was das Kind sozusagen an Heilungsideen hatte. Und genau so wurde es dann auch gemacht. Ich kam auf diesen Hof nahe der Kirche, auf dem meine Mutter nie aufgewachsen war, und verbrachte dort viele Wochen.

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